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    Ich schreib`s mal nieder...

    Hallo,

    Meine Probleme bestehen in meinem Kontakt-Verhalten anderen Menschen gegenüber. Spezifischer darin, eine entspannte, emotional offene Haltung einzunehmen.

    Ich bin Ende Zwanzig, ich habe in meinem Leben immer eine handvoll sehr sehr enge Freundschaften gepflegt. Meine Freunde erleben mich als verständnisvollen äußerst zugewandten und freundlichen Menschen und wir stehen uns auch emotional sehr nahe. Fremden gegenüber, oder Leuten in größeren Gruppen, bin ich hingegen immer nur interessiert sachlich, rational. Ich kann in größeren Gruppen (das fängt bei 3 an), die ich nicht sehr gut kenne (z.B. Arbeitskollegen gegenüber unproblematisch) oder auch schon bei Einzelpersonen, nur wenig Emphathie aufbringen. Ich versuche dann immer das Gespräch auf einer rationalen Ebene zu halten, was teilweise fast autistisch wirken muss. Auch Freunde (oder sogar Verwandte!), die ich länger nicht gesehen habe werden von mir erst mal derart behandelt und es fällt mir sehr schwer stärkere Emphatie im "normalen Bereich" aufzubringen. Dies ist erst dann wieder der Fall wenn die Gruppe sich verkleinert und "das Eis wieder gebrochen ist". Bei meinen Freunden und Bekannten führt dieses Verhalten immer wieder zu Irritation, da ich Ihnen gegenüber "ganz normal" auftrete, wenn ich allerdings in Gruppen eingeladen werde, plötzlich sehr kühl und "oberflächlich" bin und Freunde meiner Freunde erstaunt sind, dass Schilderungen meiner Person und mein Auftreten nicht übereinstimmen (mein Auftreten wird im besten Fall als "professionell", aber fast immer als kühl und reserviert wahrgenommen). Alles was ich hier beschreibe ist ein Stück weit von meiner allgemeinen Stimmung abhängig. Im Moment bin ich sehr gestresst, daher treten die Probleme wieder stärker auf.


    Das selbe gilt für mein nicht vorhandenes Beziehungsleben. Freunde/Kollegen sind immer wieder erstaunt, dass ich keine Beziehung führe, da ich Ihnen gegenüber durchaus charmant und warm bin, Witz habe, intelligent bin und halbwegs zielstrebig, wenn auch nicht übermäßig attraktiv bin. Ab und zu werde ich daher nach längerer Zeit vorsichtig gefragt, ob ich vielleicht homosexuell bin. Das ist aber nicht der Punkt, ich kann diese Frage gar nicht sinnvoll beantworten, weil ich noch nie eine Beziehung geführt habe und daher gar nicht weiss was ich wirklich will. Ich hätte gar nichts dagegen schwul zu sein, im Gegenteil, ich wäre eigentlich froh überhaupt eine Beziehung zu haben. Nur, dazu kommt es nicht. Ich hatte schon häufiger in meinem Leben Situationen in denen es zu Flirten oder "fast zu mehr" gekommen ist, meistens mit Personen, die sich in meinem Umfeld befanden und daher mich "hinter dem Eisklotz" kennen. Allerdings ist es regelmäßig so, dass ich, sobald mir Leute emotional oder körperlich sehr Nahe treten Angst kriege und prompt wieder zum "Eisklotz" werde. Als mich ein Mädchen, mit dem ich schon länger geflirtet hatte und die mich sexuell auch stark interessiert hat, nach einem gemeinsam verbrachten Wochenende irgendwann küsste, kam nur Angst hoch und jede "Lust" war sofort weg. Ich war wieder der "rationale" und habe das Treffen an dem Punkt abgebrochen und mich nachher fürchterlich über mich selbst geärgert. Genauso habe ich über lange Zeit eine sehr enge Freundschaft zu einem Mädchen geführt, aus dieser Freundschaft hat sich dann irgendwann die Frage nach einer Beziehung ergeben und ich habe diese Frage immer wieder verneint mit vorgeschobenen Argumenten (Freundschaft nicht gefährden, nicht die richtige Situation, zu viel Stress gerade), obwohl ich zwischenzeitlich sehr verliebt war und sie mich auch sexuell stark ansprach, was für mich regelmäßig zu Leidensdruck führte. Bei den Freunden die uns beide kannten, dann wiederum zu Irritation aufgrund des inkonsequenten Verhaltens.

    Ich habe immer gedacht, dass sich dies mit der Zeit geben würde, allerdings ist das eher nicht der Fall. Ich bin zwar lockerer geworden (es ist mir fast egal, es ist mir auch egal was andere denken), aber auf der anderen Seite habe ich Probleme aufgrund meines bestehenden Verhaltens soweit neue Kontakte aufzubauen, dasd sich diese Frage (nach Intimitäten) überhaupt stellt. Darüberhinaus resigniere ich fast ein wenig, es macht mir nicht mehr so viel aus, aber ich suche auch nicht mehr stark danach. Ich bin aber eigentlich ein Mensch der nicht gerne ständig alleine ist, ich komme aus einer großen, warmherzigen Familie, die Kontakte bei uns waren und sind immer sehr eng.

    Als Erklärungsansatz für mein Verhalten kann ich eigentlich nur meine "mittlere" Kindheit anführen. Ich war, soweit ich weiss, immer ein eher fröhliches, extrovertiertes Kind. Auf einer Stufensprecherfahrt in der sechsten Klasse hat damals ein Lehrer Bilder von mir schlafend im Bett geschossen und mir dabei pornographische Bilder auf/neben das Kopfkissen gelegt. An einem der weiteren Tage hat er von den Aufnahmen ein paar abgezogen und der größeren Gruppe (mit deutlich älteren (Oberstufen)Schülern) zur allgemeinen Belustigung gezeigt. Aus meiner heutigen Perspektive harmlos. Damals allerdings, war das ein traumatisches Erlebnis (Ich war kaum aufgeklärt, meine Kindheit würde ich als konservativ behütet beschreiben). Meine Eltern haben damals ein Gespräch mit mir und dem Lehrer durchgeführt, in dem Sie den Sachverhalt angesprochen haben. Es wurde erwogen Anzeige zu erstatten, was ich damals, soweit ich mich erinnern kann, aufs heftigste abgelehnt habe. Ich wollte nicht wieder über diese "Kränkung" nachdenken müssen und habe das einfach in mich reingefressen. Ich kann mich nicht mehr gut an die 2-3 Jahre danach erinnern, aber soweit ich weiss habe ich mich damals sehr stark in mich zurückgezogen und bin mit einem emotionalen Panzer rumgelaufen. Dazu passend erzählt meine Mutter, dass ich damals anfing im Schlaf nach "Hilfe" zu rufen. Meine schulischen Leistungen haben sich so stark verschlechter (ich war vorher ein guter bis sehr guter Schüler), dass meine Eltern erwogen mich in eine andere Schule zu versetzen, zumal ich aufgrund meiner verschlossenen Haltung plötzlich heftig gemobbt wurde. Alles was Jungendliche in dieser Zeit an Erfahrungen machen, ist an mir damals absolut vorbeigegangen. Erst in der Oberstufe bin ich wieder lockerer geworden und hatte "meinen Spass" - dem Mobbing habe ich mich mit einer fiesen Schlagfertigkeit entzogen -, aber nur bei allem was "sexuelles" ausschließt. In der anschließenden Zeit an der Universität habe ich dieses Thema immer ausgeklammert, Annäherungsversuche (es gab eine Handvoll) meist abgeblockt und mich auf meine "Leistung" herausgeredet, Arbeit war mir damals vordergründig wichtiger.

    Ich merke allerdings, dass ich mitlerweile eine unkomplette Persönlichkeit bin, da ein Aspekt meines Ichs einfach fehlt und mein Verhalten in diesem Aspekt auch manchmal merkwürdig ist. Dies hat sowohl Auswirkungen auf mein Selbstbewusstsein (nicht sehr groß) als auch auf fast alle anderen Bereiche meines Lebens. (Früher hatte ich beispielsweise immer riesige Probleme mit Komplimenten von Anderen und habe dann immer auf Dritte verwiesen, die ja angeblich (noch) toller wären. Ich mag es immer noch nicht außerhalb von Bereichen in dem ich mir meiner Fähigkeiten und Kompetenzen voll bewusst bin im Mittelpunkt zu stehen. Ich fühle mich auf großen Parties meist unwohl, paradoxerweise gehe ich aber gerne tanzen). Ich verstehe mich teilweise selbst nicht, möchte aber einfach diesen Knoten (falls möglich) zerschlagen um völlig entspannt mit mir und der Welt umgehen zu können.

    Ich frage mich, und vielleicht könnt Ihr das ja aus eurer Erfahrung kommentieren, ob das was mich ausmacht jetzt schlicht meine Persönlichkeit ist. Oder ob ich diesen Komplex vielleicht mit therapeutischer Hilfe aufarbeiten sollte. Ich bin müde davon.

    #2
    Zitat von Bismarx Beitrag anzeigen
    Als Erklärungsansatz für mein Verhalten kann ich eigentlich nur meine "mittlere" Kindheit anführen. Ich war, soweit ich weiss, immer ein eher fröhliches, extrovertiertes Kind. Auf einer Stufensprecherfahrt in der sechsten Klasse hat damals ein Lehrer Bilder von mir schlafend im Bett geschossen und mir dabei pornographische Bilder auf/neben das Kopfkissen gelegt. An einem der weiteren Tage hat er von den Aufnahmen ein paar abgezogen und der größeren Gruppe (mit deutlich älteren (Oberstufen)Schülern) zur allgemeinen Belustigung gezeigt. Aus meiner heutigen Perspektive harmlos. Damals allerdings, war das ein traumatisches Erlebnis (Ich war kaum aufgeklärt, meine Kindheit würde ich als konservativ behütet beschreiben). Meine Eltern haben damals ein Gespräch mit mir und dem Lehrer durchgeführt, in dem Sie den Sachverhalt angesprochen haben. Es wurde erwogen Anzeige zu erstatten, was ich damals, soweit ich mich erinnern kann, aufs heftigste abgelehnt habe.
    Zunächst muß ich mal sagen, daß das Verhalten dieses Lehrers eine große Sauerei ist. Über seine Motive will ich gar nicht nachdenken - Pfui!!

    Wie haben deine Eltern reagiert, bzw. hast du ihnen das Vorgefallene genau erzählt? Konservativ behütet könnte auch bedeuten, daß bei euch über "sowas" nicht gesprochen wurde und du deshalb Schwierigkeiten mit "sowas" hast. Dazu passt, daß du kaum aufgeklärt warst - bedeutet, deine Eltern haben es lieber der Schule überlassen, mit dir über "sowas" zu sprechen.

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      #3
      hi Bismarx

      Bismarck und Marx ?

      Dein Beitrag liest sich (mein erster Eindruck) so, als wäre es nicht das erste Mal, dass du dich entsprechend (schriftlich) äußerst ?
      Wenn ja, war das (bisherige) Feedback unbefriedigend, nicht hilfreich? War es zu direkt, nicht hinreichend empathisch? War es zu kopflastig? War es vielleicht zu kategorisch? Hast du es aus Betroffenheit vielleicht zurückgewiesen, nicht wahrhaben können/wollen?

      Das sind (für mein Interesse) nur ein paar Zusatzfragen zu deinem Thema, das sich fast schon wie ein Fallbeispiel aus erster Hand liest, sehr rational, übersichtlich und "distanziert zu dir selbst". Bei Letzterem beziehe ich mich besonders auf deine Schilderung deines "Schülererlebnisses".

      Der Thementitel klingt (fast nach)lässig und steht im Gegensatz zu:
      Im Moment bin ich sehr gestresst, daher treten die Probleme wieder stärker auf.
      Stresszeiten sind Zeugen einer schwelenden Krise.

      Ich frage mich, und vielleicht könnt Ihr das ja aus eurer Erfahrung kommentieren, ob das was mich ausmacht jetzt schlicht meine Persönlichkeit ist.
      Selbstverständlich ist "das, was dich ausmacht" deine Persönlichkeit, ... nur: was macht dich aus? Kennst du dich und deine Schatten, deine Anteile, deine blinden Flecken, dein eigentliches Wesen?

      Was dich und dein eigentliches Wesen ausmacht, ist sicherlich nicht nur deine "reservierte Haltung" gegenüber nicht so engen Freunden, oder deine (vermute ich) kopflastige Lebensführung (Letztere ist wohl eine Konsequenz, die du unbewusst gezogen hast) - ich beziehe hier ganz allgemein mal deine noch nicht ganz festgelegte Sexualidentität mit ein. Sie scheint mir eine offensichtliche Schutzfunktion zu erfüllen, ... wobei ich jetzt nicht beurteilen kann, ob sie (für dich) hilfreich oder nicht hilfreich ist. Wenn sie hilfreich wäre, stellt sich mir die Frage: wo-zu hilfreich?

      Ein spontaner Gedanke sagt mir, dass du zwar "nur ein Leben lebst", es allerdings zeitgleich auch von der Metaebene aus mitlebst, ... indem du dich beobachtest und unbewusst "korrigierst", wenn der Mensch Bismarx aus dem Ruder zu laufen droht, wenn er von Emotionen "heimgesucht" wird, z.B.:
      Als mich ein Mädchen, mit dem ich schon länger geflirtet hatte und die mich sexuell auch stark interessiert hat, nach einem gemeinsam verbrachten Wochenende irgendwann küsste, kam nur Angst hoch und jede "Lust" war sofort weg. Ich war wieder der "rationale" und habe das Treffen an dem Punkt abgebrochen und mich nachher fürchterlich über mich selbst geärgert.
      Ich sage dir wahrscheinlich nichts Neues damit, dass deine Widerstände dich sozusagen beherrschen und führen. Ich vermute mal, dass auch bei dir der Spruch passen könnte: Was nicht sein darf, kann nicht sein.

      Dass dein "Schülererlebnis" daran einen großen Anteil hat, steht fest. Allein, das ist nicht alles. Vielleicht berührt es dich unangenehm, wenn ich vorsichtig vorgebe, dass es für jenes Erlebnis fast zwingend eine Vorgeschichte geben muss. In dem Zusammenhang: wie zeigte sich deine "Extrovertiertheit" in jener Zeit? Und worauf führst du dieses "nach-außen-leben" zurück?

      Es gibt noch viele Fragen und aus den Antworten werden sich neue Fragen ergeben. Vielleicht führen dich deine Antworten und die "richtig gestellten Fragen" auf eine Spur, ... anfangs nur eine Spur, nicht zwingend gleich zu einer Lösung.
      Oder ob ich diesen Komplex vielleicht mit therapeutischer Hilfe aufarbeiten sollte. Ich bin müde davon.
      Mit einem einfühlsamen und lösungsorientierten Begleiter gibt es immer Chancen ... und da du "davon müde bist" scheint es mir, als hättest du ein gesundes Bedürfnis diese "Müdigkeit" mit neuem Leben zu erfüllen.

      Ich frage mich allerdings, ob du "so ohne weiteres" für eine tiefer gehende und lösungsorientierte Therapie "jetzt schon bereit, bzw. tauglich bist?"

      Vielleicht glaubst du, dich hier schon hinreichend geöffnet zu haben, vielleicht glaubst du, dich hier schon weit vorgewagt zu haben. Ich weiss das selbstverständlich nicht, ich möchte dir damit bloß sagen, dass du erst am Anfang stehst. Wie schnell und wie nachhaltig wirksam du vorankommst, hängt nicht zuletzt davon ab, wie "behutsam" du mit deinen Widerständen umgehst.

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        #4
        Hallo, danke erst mal für die Rückmeldung!

        Dein Beitrag liest sich (mein erster Eindruck) so, als wäre es nicht das erste Mal, dass du dich entsprechend (schriftlich) äußerst ?
        Wenn ja, war das (bisherige) Feedback unbefriedigend, nicht hilfreich? War es zu direkt, nicht hinreichend empathisch? War es zu kopflastig? War es vielleicht zu kategorisch? Hast du es aus Betroffenheit vielleicht zurückgewiesen, nicht wahrhaben können/wollen?
        Schriftlich ist das das erste mal, dass ich das "zu Papier bringe". Ich habe darüber allerdings schon ein paar Tage früher mit einer engen Freundin gesprochen und Ihr genau all das erzählt (was gut getan hat), das Gespräch ging über mehrere Stunden und daher ist das jetzt in meinem Kopf alles schon "vorgeordnet". Wobei ich mich natürlich schon etwas länger damit auseinandersetze.

        Stresszeiten sind Zeugen einer schwelenden Krise.
        Oder andersrum. Aber ja.

        Was dich und dein eigentliches Wesen ausmacht, ist sicherlich nicht nur deine "reservierte Haltung" gegenüber nicht so engen Freunden, oder deine (vermute ich) kopflastige Lebensführung (Letztere ist wohl eine Konsequenz, die du unbewusst gezogen hast) - ich beziehe hier ganz allgemein mal deine noch nicht ganz festgelegte Sexualidentität mit ein. Sie scheint mir eine offensichtliche Schutzfunktion zu erfüllen, ... wobei ich jetzt nicht beurteilen kann, ob sie (für dich) hilfreich oder nicht hilfreich ist. Wenn sie hilfreich wäre, stellt sich mir die Frage: wo-zu hilfreich?
        Tja, das frage ich mich auch. Sie ist in der Tat überhaupt nicht hilfreich. Allerdings ist der "kopflastige" Umgang mit Anderen, immer erst mal der bei dem ich die Kontrolle behalte und emotional die anderen nicht an mich ran lasse. Warum ich davor Angst habe, dass Fremde "mich" genau so sehen wie ich bin. Ich weiss es nicht.

        Ich sage dir wahrscheinlich nichts Neues damit, dass deine Widerstände dich sozusagen beherrschen und führen. Ich vermute mal, dass auch bei dir der Spruch passen könnte: Was nicht sein darf, kann nicht sein.
        Das tun Sie ganz bestimmt, dazu kommt aber auch immer eine große Ängstlichkeit sich auf Neues einzulassen, obwohl ich hier schon tausend mal entspannter geworden bin (Z.b. Auslandsaufenthalt etc., das hätte mich mit 20 noch total eingeschüchtert).

        Allein, das ist nicht alles. Vielleicht berührt es dich unangenehm, wenn ich vorsichtig vorgebe, dass es für jenes Erlebnis fast zwingend eine Vorgeschichte geben muss. In dem Zusammenhang: wie zeigte sich deine "Extrovertiertheit" in jener Zeit? Und worauf führst du dieses "nach-außen-leben" zurück?
        Einfach nur darin, dass ich locker und arglos auf andere Menschen zugegangen bin. Ich war außerdem ein "Plappermaul" und hatte einen recht großen Freundeskreis den ich mir auch selber aktiv "geholt" habe. Es gibt da keine dunklen Vorgeschichten, ganz ehrlich. :) Deswegen hast Du auch recht, dieses eine Erlebnis ist als Erklärungsansatz nicht ausreichend, vielleicht ist es halt auch eher das Mobbing in der Mittelschule, dass mich zu so einem kopforientierten Menschen gemacht hat. Der ich aber nicht immer bin, ich WEISS ja dass es auch anders geht.

        Ich frage mich allerdings, ob du "so ohne weiteres" für eine tiefer gehende und lösungsorientierte Therapie "jetzt schon bereit, bzw. tauglich bist?"

        Vielleicht glaubst du, dich hier schon hinreichend geöffnet zu haben, vielleicht glaubst du, dich hier schon weit vorgewagt zu haben. Ich weiss das selbstverständlich nicht, ich möchte dir damit bloß sagen, dass du erst am Anfang stehst. Wie schnell und wie nachhaltig wirksam du vorankommst, hängt nicht zuletzt davon ab, wie "behutsam" du mit deinen Widerständen umgehst.
        Auch das ist eine gute Frage. Bei uns galt immer das Motto "Ein Indianer kennt keinen Schmerz", das heisst es wird nicht rumgejammert. Nicht, dass wir nicht einfühlsam miteinander umgegangen sind, aber es galt halt schon dass jeder gut zu funktionieren hatte. Daher habe ich auch bislang relativ problemlos an meiner Karriere gebaut. Das ist einfach irgendwie drin. Dass ich mir wirklich eingestehe ein Problem zu haben und nicht nur irgendwas a la "das wird schon", ist neu für mich.

        Für meine Verhältnisse habe ich mich auch schon verdammt weit vorgewagt, da all das was ich jetzt geschrieben (erzählt) habe irgendwo auch ein Eingeständnis von Schwäche(n) ist. Das hätte ich früher nie getan.

        Aber wann ist man bereit, dass wirklich zu akzeptieren (nicht nur selbstreflektiert wie bei einer anderen Person)? Ich denke, das geht jetzt schon, denn ich habe einfach keine Lust das mit mir rumzuschleppen bis ich 40 bin und dann wirklich vor den Trümmern dieses Problems stehe.

        @Chry

        Zunächst muß ich mal sagen, daß das Verhalten dieses Lehrers eine große Sauerei ist. Über seine Motive will ich gar nicht nachdenken - Pfui!!

        Wie haben deine Eltern reagiert, bzw. hast du ihnen das Vorgefallene genau erzählt? Konservativ behütet könnte auch bedeuten, daß bei euch über "sowas" nicht gesprochen wurde und du deshalb Schwierigkeiten mit "sowas" hast. Dazu passt, daß du kaum aufgeklärt warst - bedeutet, deine Eltern haben es lieber der Schule überlassen, mit dir über "sowas" zu sprechen.
        Ja, der Typ war einfach ein gedankenloser Idiot. Zum Rest, ja da hast Du völlig recht, über sowas haben wir einfach nicht gesprochen. Das war genau die Zeit in der sich bei mir zaghaft erste Interessen (eher noch auf mich selbst gerichtet) geregt haben, über die wir halt nicht geredet haben. Man hat sich halt vielleicht von Älteren Bildergeschichten aus "der Bravo" angeguckt und sich gewundert warum man das interessant fand.

        Danach war das aber erst mal vorbei.


        So, noch mal großes Danke für die klugen Kommentare!

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          #5
          Hallo Bismarx,

          ich weiß nicht ob ich richtig liege, aber ich kann dir ein Buch empfehlen: "Still - die Kraft der Introvertierten" von Susan Cain. Ich fand mich darin sehr stark wieder.

          Smalltalk lag mir nie besonders, es fällt mir auch schwer, sofort "Bindungen" mit Menschen herzustellen (zumindest die Sorte, die man als "locker-flockig" bezeichnen würde), das dauert; es ist mir auch regelmäßig peinlich, mich zu outen und so manche(r) unterstellte mir schon, ich sei harmoniesüchtig.

          Wie auch immer, ich hab für mich des Rätsels Lösung gefunden: Ich bin introvertiert und ich stehe dazu!

          Dinge sprudeln und quasseln nicht aus mir heraus, dafür überlegte und auf den Punkt gebrachte Äußerungen (was bei anderen oft ein Stück arrogant ankommen mag), die genau deshalb mehr Struktur und Kraft haben.

          Und zum Thema Struktur und Kraft - genau deshalb hat mich dein Beitrag wohl angesprochen.

          Es ist kein Fehler, und keine Schwäche. Die Extrovertierten sind lauter, aber deshalb nicht besser. Wir sind ebens anders, aber wer ist das nicht!

          Kopf hoch

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            #6
            Smalltalk lag mir nie besonders, es fällt mir auch schwer, sofort "Bindungen" mit Menschen herzustellen (zumindest die Sorte, die man als "locker-flockig" bezeichnen würde), das dauert; es ist mir auch regelmäßig peinlich, mich zu outen und so manche(r) unterstellte mir schon, ich sei harmoniesüchtig.

            Wie auch immer, ich hab für mich des Rätsels Lösung gefunden: Ich bin introvertiert und ich stehe dazu!
            Hallo Kaikoura, schön dass Du damit so gut umgehen kannst. Allerdings: Mein Problem umfasst ja leider nicht nur introversion, sondern auch und vor allem eine Beziehungsunfähigkeit. Aber das mit dem Harmoniesüchtig kenne ich auch gut. Ich hasse es wenn Leute in meinem Umfeld übermäßig Stress machen. Ich finde das meistens völlig überflüssig. Meistens bin ich eher derjenige, der Kompromisse macht und sich selbst etwas zurückstellt. Bis zu einem gewissen Punkt, an dem kann ich dann regelrecht explodieren, was andere dann meist überrascht. Vielleicht ist das ja bei Dir genau so?

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              #7
              Ja. Ich erinnere mich an mein letztes Schuljahr (schon etwas her... ), da bin ich beim Schulfest vor versammelter Mannschaft (auch für mich überraschend) so richtig explodiert, weil mich eine Freundin schon länger sehr geärgert hat! Die die dabei waren, reden heute noch darüber

              Meiner Meinung nach ist niemand beziehungsunfähig. Menschen sind unterschiedlich und Beziehungen auch. Und es gibt weit mehr Beziehungsformen oder Möglichkeiten im gemeinsamen Umgang als die Mehrheit der Norm "lebt". Ich zB brauche ganz viel eigenes "Revier" und Rückzugsmöglichkeiten, sonst drehe ich durch.

              Und ich habe ganz, ganz oft keinen Bock auf Menschen; meine Freunde und kennen mich - rufe ich tagelang nicht an, bin ich in "Introville". Das ist normal. Ich gehe auch nur dann aus, wenn ich dazu in der richtigen Stimmung bin, sonst empfinde ich es als anstrengend.

              Dafür ist es im Job schwieriger. Die tägliche Arbeit - viel Austausch mit anderen, auch Teamwork, viel reden, vor allem zu telefonieren - empfinde ich beinahe als Prostitution .

              Ich bin einfach so und habe aufgehört, da Schuld oder Unfähigkeit bei mir zu suchen. So ist es auch einfacher!

              Was kann dir denn passieren, wenn du dich outest? Im "schlimmsten" Fall würde eine Frau sagen: "Du bist ein netter Kerl, aber lass uns doch einfach nur Freunde sein." ...wäre das das Ende der Welt? Es gibt tolle Frauen/Männer da draußen... Und die Übung macht den Meister. Vielleicht brauchst du mal ein Erfolgserlebnis? Einfach mal ausprobieren, und unverfänglich Daten?

              LG

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